Wie finde ich einen Beruf, der zu mir passt und in dem ich gleichzeitig nachhaltige Veränderungen anstoßen kann? Darum ging es bei unseren Aktionstagen zur „Berufsorientierung in der grünen Arbeitswelt“.
Im September und Oktober 2026 haben wir fünf Schulen in Baden-Württemberg besucht, zum Beispiel in Esslingen, Lörrach und Isny. Insgesamt nahmen rund 370 Schüler*innen der Klassen 9 bis 11 teil.
Den eigenen Stärken auf der Spur
Im Workshop reflektierten die Jugendlichen, was ihnen im späteren Arbeitsleben wichtig ist, welche Stärken und Interessen sie mitbringen und wie es nach dem Schulabschluss weitergehen könnte.
Anschließend ging es um die Folgen der Klimakrise, die mittlerweile auch in Deutschland und teilweise direkt vor der eigenen Haustür sichtbar werden. Die Schüler*innen berichteten, wie sich ihre Umgebung während der langen Trockenheit in diesem Sommer (2026) verändert hat, zum Beispiel durch niedrige Pegel in den Flüssen oder das Lagerfeuerverbot im Feriencamp wegen Waldbrandgefahr. Der Sommer 2026 in Baden-Württemberg war nach Auswertung des Deutschen Wetterdienstes der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen (Quelle 1) und der fünfttrockenste seit 1881 (Quelle 2).
Die Folgekosten der Klimakrise
Hitze- und Dürreperioden werden durch die Klimakrise häufiger und heftiger. Unsere Art zu wirtschaften hat die Klimakrise mitverursacht, vor allem durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas. Jetzt fällt die Klimakrise auf die Wirtschaft zurück: Nach Berechnungen von Prognos hat die Hitzewelle vom 17. bis 30. Juni 2026 die deutsche Wirtschaft mindestens 6,3 Milliarden Euro gekostet (Quelle 3). Besonders ins Gewicht fallen dabei Produktivitätsverluste: Menschen müssen häufiger Pausen machen und arbeiten langsamer oder unkonzentrierter. Wer schon einmal bei 35 Grad im Klassenzimmer saß, kann das gut nachvollziehen.
Dem steht eine Gegenrechnung gegenüber: Jeder Euro, der in Europa in Klimaschutz investiert wird, spart vier bis zehn Euro an Folgekosten (Quelle 4).
Politisch ist der Rahmen gesetzt. Baden-Württemberg hat sich mit seinem Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken und bis 2040 klimaneutral zu werden (Quelle 5). Klimaschutz bedeutet, Emissionen zu senken, wo immer es möglich ist, damit Hitzewellen und andere Wetterextreme nicht noch stärker zunehmen. Ein zentraler Baustein dafür ist u. a. die Energiewende.
Klimaanpassung bedeutet, uns und z. B. unsere Wälder, Städte und das Gesundheitssystem auf das vorzubereiten, was sich nicht mehr verhindern lässt. Dazu gehören kühle Orte in der Stadt, die für alle gut erreichbar sind, Deiche zum Schutz vor Hochwasser oder Anbaumethoden, die Trockenheit besser aushalten (z. B. Agroforst).
Wie Klimaanpassung vor Ort aussieht, haben wir im Workshop an Beispielen aus der Region der jeweiligen Schule gezeigt, etwa am Esslinger Marktplatz. Er wird bis zum Stadtjubiläum 2027 umgestaltet. Zusätzliche Bäume und begrünte Baumbeete spenden im Sommer Schatten und kühlen, weil sie Wasser verdunsten. Ein Fontänenfeld in der Mitte des Platzes und ein Trinkwasserbrunnen sorgen an heißen Tagen für etwas Erfrischung. Der neue hellere Pflasterbelag reflektiert das Sonnenlicht und heizt sich deshalb weniger auf. Über seine Fugen kann außerdem Regenwasser versickern, das später wieder verdunstet und den Platz zusätzlich kühlt. (Quelle 6)
Wichtig ist: Das eine (Klimaschutz) geht nicht ohne das andere (Klimaanpassung). Sich nur anzupassen, ohne Emissionen zu senken, wäre ungefähr so sinnvoll, wie ständig Wasser vom Boden aufzuwischen, ohne den undichten Hahn zuzudrehen.
Die Arbeitswelt im Wandel: Green Jobs sind gefragt!
Die notwendigen Technologien, etwa Wärmepumpen, Windräder oder Bewässerungssysteme, müssen nicht nur entwickelt und geplant, sondern auch produziert, vermarktet, installiert und gewartet werden. Dahinter stecken sehr viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen.
Der Umbau hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, auch Transformation genannt, verändert den gesamten Arbeitsmarkt: Neue Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen, viele Berufe verändern sich, andere fallen weg. 2025 hatte bereits fast jede dritte Stellenanzeige in Deutschland (29 Prozent) einen Bezug zur Green Economy (Quelle 7).
Vor allem in Handwerksberufen gibt es (trotz Krisen und schwächelnder Wirtschaft) viele offene Stellen (Quelle 8). Schauen wir uns z. B. den Energiewende-Bereich an: Zwischen 2019 und 2024 hat sich die Zahl der Jobangebote dort mehr als verdoppelt (Quelle 9). Was das für dich heißt: Wer eine Ausbildung oder ein Studium in diesen Bereichen macht, hat gute Jobchancen.
In fast jedem Arbeitsumfeld lassen sich nachhaltige Veränderungen anstoßen: Energie und Material sparen, Abfall verringern, reparieren statt wegwerfen, Lieferwege verkürzen. Sogenannte Green Jobs gibt es deshalb genauso außerhalb der Technik oder im sozialen Bereich, zum Beispiel im Einzelhandel, in der Medienbranche, im Tourismus, in Verwaltung, Bildung und sogar bei bestimmten Banken. Auf der Seite des Netzwerks Grüne Arbeitswelt kannst du die vielfältigen Berufsfelder entdecken.
Ein Beispiel ist die Kreislaufwirtschaft. Sie umfasst den ganzen Lebensweg eines Produkts, vom nachhaltigen Design über Herstellung und Reparatur bis hin zu Aufbereitung und Recycling. Dahinter stecken auch Berufe wie Produktdesigner*in, Zweiradmechatroniker*in, Schneider*in oder Jurist*in für Produktvorschriften.
Entdecker-Stationen: Möglichkeiten für die Zeit nach dem Schulabschluss
Neben dem Workshop konnten die Schüler*innen an interaktiven Stationen ihre Möglichketen für die nächsten Schritte auf dem Weg der Berufsorientierung weiter erkunden. Ein Highlight war unser SuperClario-Berufetest: Auf einer selbstgebauten Holz-Rennstrecke steuerten sie ein ferngesteuertes Auto ins Ziel. An jeder Weggabelung beantworteten sie eine Frage zu ihren Vorstellungen und Wünschen. Am Ende erhielten sie eine Ergebniskarte mit ihrem Berufstyp und passenden Beispielberufen.
Mit VR-Brillen erkundeten die Jugendlichen Ausbildungsbetriebe bei virtuellen Rundgängen, und beim Zukunftsberufe-Quartett lernten sie spielerisch neue Berufe kennen. An unserer Jobwand hatten wir über hundert aktuelle Ausbildungsstellen, Studiengänge, Praktika und Freiwilligendienste gesammelt. Hier kannst du dir die Auswahl anschauen. An einer weiteren Station gestalteten die Schüler*innen ein Visionboard und schrieben einen Brief an sich selbst, den wir ihnen etwa ein Jahr nach dem Schulabschluss zuschicken.
Die grüne Arbeitswelt: Chancen für deinen Berufseinstieg
Du überlegst gerade selbst, wie es nach der Schule, der Ausbildung oder dem Studium weitergehen könnte? Dann lohnt sich ein Blick auf unsere Berufsorientierungsseite. Dort findest du u. a. Videos mit authentischen Einblicken in Berufsalltage sowie Tests und Games. Außerdem gibt es eine Checkliste, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen bei der Jobsuche erkennen zu können. Jeden Monat teilen wir außerdem neue Stellen und Praktika auf unserem Instagram-Kanal @thebetterlaend.
Du bist Lehrkraft oder Bildungsreferent*in und möchtest selbst ein Projekt, einen Workshop oder Aktionstag zur Berufsorientierung in Verbindung mit Nachhaltigkeit für deine Zielgruppe anbieten? Dann melde dich gerne bei uns, wir beraten dich und stellen Materialien zur Verfügung.
Danke an die Lehrkräfte und Schüler*innen der fünf Schulen, die wir in den letzten Monaten mit unserem Aktionstag besucht haben. Beeindruckt hat uns z. B. das von Lehrkräften und Schüler*innen des Gymnasium Isny zum Großteil selbst geplante und gebaute Energiehaus oder der Schulgarten mit Insektenhotel und Hochbeeten der Realschule Eberbach.
Quellen
Quelle 1: ZEIT ONLINE, 31.08.2026: https://www.zeit.de/news/2026-08/31/wohl-waermster-sommer-im-suedwesten-seit-aufzeichnungsbeginn
Quelle 2: SWR Aktuell: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/jahrhundertsommer-2026-hitzetage-temperatur-mittelwert-trockenheit-niedrigwasser-klimawandel-102.html
Quelle 3: Prognos: https://www.prognos.com/de/kosten-hitzewelle-juni-2026
Quelle 4: Tagesschau: www.tagesschau.de/wissen/klima/kosten-klimaschutz-100.html
Quelle 5: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: https://um.baden-wuerttemberg.de/de/klima-energie/klimaschutz/klimagesetz-baden-wuerttemberg
Quelle 6: Stadt Esslingen am Neckar: https://www.esslingen.de/wohnen-und-bauen/bauen/innenstadtprojekte/marktplatz
Quelle 7: Bertelsmann Stiftung: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/die-deutsche-wirtschaft-auf-dem-weg-zur-green-economy
Quelle 8: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA): https://www.kofa.de/media/Publikationen/KOFA_Kompakt/KOFA_Kompakt_07.2026_Handwerk.pdf
Quelle 9: Bertelsmann Stiftung: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2025/maerz/energiewende-bleibt-auch-in-krisenzeiten-ein-jobmotor
